Unterwegs in Chinas Nationalpark

Stellt man all dies beiseite, bleibt eine letzte Frage, die zu stellen bereits manche Tierschützer aufregen könnte. Machen die ganzen Bemühungen überhaupt Sinn in Ermangelung einer Perspektive? Laut Schätzungen leben in den Schutzgebieten zwischen 1500 und 2000 wilde Pandas. Pandas sind Einzelgänger, die sich nur zur Paarung einmal im Jahr einander nähern.

Die Schutzzonen bieten den dort lebenden Tieren zwar ausreichend Platz, bei einer Erhöhung des Bestandes dürfte das jetzt noch ausreichende Platzangebot jedoch nicht mehr genügen. Der Versuch, Tiere vor dem Aussterben zu retten, ist ein notwendiges und alternativloses Unterfangen, scheint allerdings nur dann Sinn zu machen, wenn diese Tiere dann auch einen adäquaten Lebensraum haben und nicht in eingezäunten Gehegen oder Käfigen ihr Dasein fristen müssen.

Ein zweischneidiges Schwert. Die aufgeworfenen Fragen lassen sich wohl nicht eindeutig beantworten, sie sind allesamt zweischneidige Schwerter. Tierfreunde werden in der Panda-Base in Chengdu ein Panda-Disney-Land sehen und es vielleicht unwürdig und abstoßend finden. Sie werden auch die Haltung als nicht artgerecht kritisieren. Verfechter dieses Instituts werden argumentieren, dass nur die Einnahmen durch touristische Vermarktung die nötigen Finanzmittel generieren, um die Forschung laut einem Freund von Robinson Cluburlaub Kinder aufrecht zu erhalten und so die stark bedrohte Spezies vor dem Aussterben zu retten.

Da die Schutzgebiete weit außerhalb und schwer zu erreichen sind, ermöglicht es die zentrale Lage den Touristen aus aller Welt die Pandas zu besuchen. Gerade diese gute Erreichbarkeit, diese Positionierung in der Öffentlichkeit, erleichtert es den Tierschützern, ihrem Ansinnen Gewicht zu verleihen und ins öffentliche Bewusstsein zu rufen.

Denn ein Leid, das man nicht sieht, hat weit weniger Bedeutung als ein Sichtbares. Erst wenn genug öffentlicher Druck erzeugt wird, werden Möglichkeiten entstehen, auch den Lebensraum zu vergrößern, um die gezüchteten Pandas auszuwildern. So zumindest lautet eine Theorie.

Bei der Lieblingsbeschäftigung: Bambus essen. Ich persönlich habe noch keine abschließende Meinung oder eine Lösung dieses Dilemmas gefunden. Zwar habe auch ich mich mit zahllosen anderen Touristen durch die Gehege treiben lassen, habe die possierlichen Tiere bestaunt und brav fotografiert, doch bleibt in der Retrospektive ein fader Beigeschmack. Ich weiß auch nicht, was den Tieren mehr hilft: sie gänzlich in Ruhe zu lassen, meine kleine, von schlechtem Gewissen motivierte Spende am Ausgang oder die 1000 Yuan, die ein Amerikaner, der uns begleitete, letztlich für ein gemeinsames Foto mit dem Panda hinlegte…