Klettern in der Wu Schlucht

Der Teil der Wu Schlucht, den wir sehen konnten bevor es dunkel wurde, unterschied sich deutlich von den steilen und teilweise schroffen Hängen der Qutang Schlucht. Sanft erhoben sich die dicht bewachsenen Hänge aus dem Wasser. Stellenweise gab es natürlich Fels, hier und da ging es senkrecht hinauf. Doch insgesamt war es sanfter, es war bewachsener und weicher. Ich hätte gerne gesehen ob dieser Trend weiter geht und die Xiling Schlucht noch weitläufiger ist. Doch es scheint, als müssten wir wiederkommen um dies zu erleben.

Überraschung in der zweiten Nacht. Am zweiten Abend begrüßte mich Peer grinsend in der Kajüte. „Fällt Dir was auf?”. Ich zog die Stirn in Falten und ging die Möglichkeiten durch. Es stank immer noch, es war immer noch zu kalt, es war immer noch zu klein. „Sollte es?” Gegenfragen sind immer gut. Doch dann triumphierte er „ich habe den Lautstärkeregler gefunden!” und tatsächlich. Während draußen der phonetische Wahnsinn tobte, war es bei uns höchstens nervig laut. Mit Ohropax sollte das kein Problem werden. Ich hatte nichts mehr zu entgegnen als ein andächtig gehauchtes „Danke!”.

Traurig blicken mich die schwarzumrandeten Augen mit Freunden von Traumpartner finden Bewertung an. Oder ist es Resignation, die ich in dem Blick erkenne? Bevor ich es deuten kann, schüttelt sich das mächtige Haupt, wie um meine Gedanken zu zerstreuen und der Blick wendet sich von mir ab. Dann trottet der wuchtige Leib von dannen. Ganz gemächlich. Er sinkt einige Meter weiter zu Boden und die bepelzten Pranken greifen nach dem Bambus. Es gibt ja sonst nicht viel zu tun. Hier im beengten Panda-Gehege in Chengdu.

Chengdu, die Hauptstadt der Provinz Sichuan ist vor allem für eines bekannt: die Panda-Base. Diese Zucht- und Forschungsstation dient mehreren Zwecken. Mittels künstlicher Befruchtung und kontinuierlicher Forschung zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit wird versucht, den großen Panda, eines der nationalen Symbole Chinas, vor dem Aussterben zu bewahren. Zugleich ist die Panda-Base eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Stadt, was in dieser Kombination einige Fragen aufwirft.

Der ausgewachsene große Panda hat nur wenige natürliche Feinde. Sein einzig wahrer und gefährlichster Feind ist der Mensch. Durch zunehmende Urbanisierung, der ständig steigenden Nachfrage nach Land- und Naturressourcen sowie der Umweltverschmutzung, wird der Lebensraum des Pandas und seine bevorzugte Nahrung, der Bambus, zunehmend zerstört.

In früherer Zeit setzten auch Wilderer, die es auf das begehrte Fell des Pandas abgesehen hatten, der Population zu. Inzwischen stehen Wilderei und Pelzhandel in China aber unter drakonischen Strafen